Es gibt Begegnungen die nehmen wie überall hin mit. Unter die Dusche, zur Arbeit, ins Bett. Vielleicht gab es einen Streit, vielleicht fühlen wir uns verletzt oder nicht gesehen oder tragen einen Vorwurf in uns. Manchmal können wir gar nicht genau benennen, was los ist – wir merken einfach: Diese Beziehung fühlt sich gerade nicht gut an.
Das kann eine romantische Beziehung sein, eine Freundschaft, ein Familienmitglied oder jemand bei der Arbeit. Ich beobachte, dass ich in solchen Situation immer wieder zur selbem Ritual zurückgreife.
Zuerst versuche ich gar nicht, das unangenehme Gefühl sofort loszuwerden. Ich lasse es ein bisschen da sein. I sit with it. Ich darf enttäuscht, wütend oder unbequem sein. Aber irgendwann merke ich meistens: Jetzt möchte ich diesen Vorwurf nicht mehr mit mir herumtragen. Und genau dann beginnt mein Ritual. Die Grundlage dafür ist Ho’oponopono, eine hawaiianische Tradition der Versöhnung, mit der ich mich intensiver beschäftigt habe.
Ich suche auf YOUTUBE Ho’oponopono mit deutscher Anleitung, meistens mit Musik und wiederhole LAUT VOR MICH HIN schwatzend, die vier Sätze wie ein Mantra: Es tut mir leid. Bitte vergib mir. Ich liebe dich. Danke. Wieder und wieder. Nicht mechanisch und auch nicht mit dem Anspruch, dass nach fünf Wiederholungen alles gut sein muss. Ich mache weiter, bis ich spüre, dass sich etwas in mir verändert.

Wie bei einer körperlichen Massage kann sich etwas zunächst verkrampft anfühlen. Man muss es nicht mit Gewalt lösen. Man bleibt liebevoll dort, gibt Wärme hinein und irgendwann wird etwas weicher. Vielleicht hat sich die Situation überhaupt nicht verändert. Vielleicht hat der andere Mensch nichts anders gemacht. Aber ich spüre die Beziehung anders. Wichtig ist mir dabei: Wenn ich „Es tut mir leid“ oder „Bitte vergib mir“ sage, bedeutet das nicht, dass ich das Verhalten eines anderen Menschen gutheiße oder die gesamte Verantwortung für einen Konflikt übernehme.
Ich schaue vielmehr auf meinen eigenen Anteil, auf meine Reaktionen, Verletzungen und Erwartungen und auf das, was ich selbst loslassen oder mir vergeben möchte. Ich kann innerlich Frieden finden und trotzdem eine Grenze setzen. Ich kann jemanden lieben und trotzdem Abstand brauchen.
Vielleicht braucht es danach trotzdem ein Gespräch, eine Grenze, Abstand oder meistens genügt einfach ein präsentes, achtsames Da sein. Aber ich möchte solche Entscheidungen möglichst nicht aus einem verhärteten Herzen heraus treffen. Vielleicht entsteht ein bisschen weniger Widerstand, ein bisschen mehr Raum, ein bisschen mehr Wärme.
Genau das ist für mich Herz und Seele massieren: nicht die Beziehung schönreden und nicht den anderen verändern, sondern mein eigenes Herz so lange achtsam liebevoll halten, bis es wieder ein kleines bisschen weicher werden darf.







