Zwei Wege, wie du emotionale Trigger für mehr Wohlbefinden nutzen kannst

Kennst du diese Begegnungen, bei denen eigentlich gar nichts Weltbewegendes passiert – und trotzdem beschäftigt dich das Verhalten eines anderen Menschen noch Stunden später? Jemand wirkt auf dich überheblich, unauthentisch oder respektlos. Vielleicht fällt nur ein einziger Satz und du merkst sofort: Das triggert mich gerade total. Ich glaube mittlerweile, dass genau in solchen Momenten unglaublich viel Potenzial steckt. Denn während ich früher vor allem bei der anderen Person hängen geblieben bin  -Warum verhält sie sich so? Wie kann man nur? – versuche ich heute, den Blick wieder zu mir zurückzuholen. Denn nicht alles, was wir im Außen wahrnehmen, löst in uns die gleiche emotionale Reaktion aus. Manche Dinge bemerken wir und lassen sie weiterziehen. Andere bleiben wie an einem Klettverschluss an uns haften. Und genau dort wird es interessant.  Für mich sind emotionale Trigger deshalb immer wieder kleine Wegweiser zu mir selbst geworden. Diese zwei Wege helfen mir dabei besonders:

  1. Gib der Welt das, was du im anderen bemängelst
    Einer meiner liebsten Merksätze lautet: „Gib du der Welt das, was du im anderen bemängelst.“
    Wenn mich das Verhalten eines Menschen stark triggert, versuche ich deshalb, kurz aus meiner Bewertung auszusteigen. Nehmen wir an, ich begegne jemandem, der auf mich unauthentisch oder überheblich wirkt. Mein erster Impuls könnte sein, diese Person innerlich zu verurteilen. Doch genau dann versuche ich, innezuhalten. Statt mich weiter mit der anderen Person zu beschäftigen, frage ich mich:  Was wünsche ich mir an dieser Stelle eigentlich stattdessen?
    Vielleicht wünsche ich mir mehr Authentizität, Ehrlichkeit oder Herzlichkeit. Und dann drehe ich die Perspektive um:  Wo kann ich selbst noch authentischer sein? Wo kann ich noch ehrlicher zeigen, wer ich bin? Wo kann ich genau das in die Welt bringen, was ich gerade im Außen vermisse?  Plötzlich wird aus einem unangenehmen Trigger etwas, das mir hilft, mich selbst wieder auszurichten.  Das bedeutet für mich übrigens nicht, dass jedes Verhalten anderer Menschen in Ordnung ist oder dass jeder Trigger automatisch bedeutet, dass wir selbst genau dieselbe Eigenschaft besitzen. Manchmal werden auch alte Erfahrungen, persönliche Werte oder unsere eigenen Grenzen berührt. Aber ich kann immer entscheiden, was ich mit meiner Reaktion mache. Und genau dabei hilft mir dieser Satz immer wieder: Gib du der Welt das, was du im anderen bemängelst.
  2. Geh nicht gegen das Gefühl – gib ihm Raum
    Mein zweiter Weg beginnt dort, wo wir häufig am liebsten weglaufen würden: bei dem Gefühl selbst. Wut. Ärger. Traurigkeit. Widerstand. Wenn ein Gefühl sehr stark wird, versuche ich mittlerweile nicht mehr sofort, es loszuwerden. Wenn es möglich ist, ziehe ich mich für ungefähr 20 Minuten an einen ruhigen Ort zurück, schließe meine Augen und lasse das Gefühl einfach einmal da sein. Ohne es schönzureden. Ohne es wegzudrücken. Und vor allem ohne sofort eine Lösung finden zu müssen. Ich versuche vielmehr, meinen inneren Widerstand gegen das Gefühl loszulassen und neugierig zu werden: Was ist eigentlich wirklich da? Manchmal passiert dann etwas Spannendes. Ich merke beispielsweise: Das ist gar nicht nur Wut. Unter der Wut liegt vielleicht Traurigkeit. Eine Verletzung. Enttäuschung. Angst. Oder ein Bedürfnis, das ich lange nicht wahrgenommen habe. Je mehr ich dem Gefühl erlaube, da zu sein, desto weniger muss ich gegen es kämpfen. Und häufig verändert es sich dadurch ganz von selbst. Es wird weicher, verliert an Intensität und macht irgendwann einer tieferen inneren Ruhe Platz. Genau deshalb sehe ich emotionale Trigger heute ein wenig anders. Natürlich fühlen sie sich im ersten Moment nicht angenehm an. Aber sie können uns zeigen, wo etwas in uns gesehen werden möchte. Vielleicht müssen wir also nicht jeden Trigger möglichst schnell loswerden. Vielleicht können wir manchmal einfach fragen: Was möchtest du mir gerade über mich zeigen? Und genau dann kann aus einem unangenehmen Moment etwas sehr Wertvolles entstehen: den Weg zurück zu uns selbst.

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