10 Minuten Ritual bei Emotionalen Triggern

Kennst du diese Begegnungen, bei denen eigentlich gar nichts Weltbewegendes passiert – und trotzdem beschäftigt dich das Verhalten einer anderen Person noch Stunden später?
Jemand wirkt auf dich überheblich, unsympathisch oder respektlos. Vielleicht fällt nur ein einziger Satz, und du spürst: Das triggert mich gerade total.
Ich glaube mittlerweile, dass genau in solchen Momenten unglaublich viel Potenzial steckt.
Denn während ich früher gedanklich bei der anderen Person hängen geblieben bin – «Warum verhält sie sich so? Wie kann man nur?» –, versuche ich heute, den Blick wieder zu mir selbst zu lenken.
Nicht alles, was wir im Aussen wahrnehmen, löst in uns dieselbe emotionale Reaktion aus. Manche Dinge berühren uns und lassen sich kaum abschütteln.
Und genau dort wird es interessant.
Für mich sind emotionale Trigger deshalb immer öfter kleine Wegweiser zu mir selbst geworden.

DEINE 10 MINUTEN

☉ Ankommen

Zieh dich, wenn möglich, an einen ruhigen Ort zurück. Schliesse die Augen und atme bewusst. Spüre, wo sich die Emotion in deinem Körper zeigt. Du musst nichts verändern oder lösen. Komm einfach wieder bei dir an.

☾ Fühlen

Geh nicht gegen das Gefühl – gib ihm Raum. Ob Wut, Ärger, Traurigkeit oder Widerstand: Lass es für einen Moment da sein, ohne es schönzureden oder wegzudrücken. Vielleicht entdeckst du, dass unter deiner Wut eine Verletzung, Enttäuschung oder Angst liegt.

↟ Erkennen

Frage dich: Was hat mich gerade so getroffen? Was hätte ich mir von der anderen Person gewünscht? Mehr Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit oder Respekt? Und wie kann ich mir selbst davon etwas geben oder mein Bedürfnis klar ausdrücken?

Einer meiner liebsten Merksätze lautet: «Gib du der Welt das, was du im anderen bemängelst.»
Wenn mich das Verhalten eines Menschen stark triggert, versuche ich deshalb, kurz aus meiner Bewertung auszusteigen.
Vielleicht wünsche ich mir mehr Aufrichtigkeit, Aufmerksamkeit oder Herzlichkeit. Dann drehe ich die Perspektive um: Wo kann ich selbst aufrichtiger sein? Wo kann ich ehrlicher zeigen, wer ich bin? Was kann ich davon in die Welt bringen?
Das bedeutet für mich übrigens nicht, dass jedes Verhalten anderer Menschen in Ordnung ist oder dass jeder Trigger automatisch etwas mit mir selbst zu tun haben muss. Manchmal werden auch unsere Erfahrungen, persönlichen Werte oder Grenzen berührt.
Aber ich kann bewusst entscheiden, was ich mit meiner Reaktion mache.

Mein zweiter Weg beginnt dort, wo wir häufig am liebsten weglaufen würden: bei der Emotion selbst.
Wenn ein Gefühl sehr stark wird, versuche ich mittlerweile nicht mehr, es sofort loszuwerden. Ich schliesse die Augen und lasse es einfach einmal da sein.
Ohne es schönzureden. Ohne es wegzudrücken. Und vor allem ohne sofort eine Lösung finden zu müssen.
Manchmal passiert dann etwas Spannendes: Ich merke, dass unter meiner Wut vielleicht Traurigkeit liegt. Eine Enttäuschung. Angst. Oder ein Bedürfnis, das ich lange nicht wahrgenommen habe.
Je mehr ich dem Gefühl erlaube, da zu sein, desto weniger muss ich dagegen ankämpfen. Manchmal wird es dadurch weicher und macht einer tieferen inneren Ruhe Platz.
Natürlich fühlen sich emotionale Trigger im ersten Moment nicht angenehm an. Aber sie können uns zeigen, wo etwas in uns gesehen werden möchte.
Vielleicht müssen wir also nicht jeden Trigger möglichst schnell loswerden.
Vielleicht dürfen wir manchmal einfach fragen:
Was möchtest du mir gerade über mich zeigen?
Und genau dann kann aus einem unangenehmen Moment etwas sehr Wertvolles entstehen: ein Weg zurück zu uns selbst. ♡

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